Gemäldesammlung

Die Gemäldesammlung

 

Das Museum im Alten Rathaus hat eine umfangreiche Sammlung von Gemälden heimischer Maler. 

 

Als bedeutendster Grünstadter Maler ist zweifelsohne Johann Conrad Seekatz (1719-1768) anzusehen, der als Hofmaler in Darmstadt starb. Von ihm besitzt unser Museum fünf Werke, die nachfolgend abgebildet sind. 

(Am Ende dieser Seite finden Sie eine Biografie zu seinem 300. Geburtstag 2019 und eine Erläuterung seiner im Museum gezeigten Werke)

 

 

Grablegung und Auferstehung Jesu

 

 

Wirtshausszene und Karten spielende Kinder 

 

Mädchenporträt

 

Auch die Malerfamilie Schlesinger ist für Grünstadt und das Leininger Land bedeutsam.

Wir besitzen mehrere Bilder von:

Johann Schlesinger (1768 in Ebertsheim-1840 in Sausenheim), seinem Bruder Johann Adam Schlesinger (1759 in Ebertsheim-1829 in Grünstadt) und dessen Sohn Johann Jakob Schlesinger (1792-1855).

 

Hier einige Stücke aus unserer Sammlung

 

Prinzessin Amalie (links) und Prinzessin Henriette (rechts) von Nassau-Weilburg, gemalt von Johann Schlesinger

 

 

Johann Adam Schlesinger (Selbstporträt) und seine Frau, gemalt von ihm

 

Herren- und Damenporträt von Johann Jakob Schlesinger

 

Hier ist Feuer und Geist
 
Zum 300. Geburtstag des Grünstadter Malers Johann Conrad Seekatz
 
Als der General und regierende Graf Philipp Ludwig von Leiningen-Westerburg-Rixingen 1705, unter Prinz Eugen von Savoyen kämpfend, in der Schlacht bei Cassano starb, waren sein einziger Sohn, seine Brüder und näheren männlichen Verwandten bereits tot. 
 
Sein Erbe fiel zu gleichen Teilen an entfernte Verwandte, die Brüder Christoph Christian (1656–1728) und Georg II. Carl Ludwig von Leiningen-Westerburg-Schaumburg (1666–1726).  Beide aus Westerburg kommend, übernahmen sie gemeinsam die pfälzische Grafschaft Leiningen und übten die Herrschaft im Jahresturnus abwechselnd aus. Beide stifteten jeweils eigene Familienlinien, Christoph Christian die Linie Leiningen-Westerburg-Altleiningen und Georg II. Carl Ludwig Leiningen-Westerburg-Neuleiningen. Sie residierten in Grünstadt, da die Burgen Altleiningen und Neuleiningen im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört worden waren. Während Christoph Christian das bereits von seinem Vorgänger Graf Philipp Ludwig erbaute Schloss Unterhof in der Obergasse bezog, errichtete sich Georg II. Carl Ludwig ab 1716 in der Neugasse ein neues Schloss, den Oberhof. Durch den  doppelten Grafenzuzug und den Schlossbau blühte auch das wirtschaftliche Leben in Grünstadt auf; im Gefolge der Höfe kamen zudem neue Bürger in die Stadt. 
 
Einer davon war der leiningische Hofmaler Johann Martin Seekatz (1680–1729) und seine Frau Juliana Magdalena geb. Kuhlmann, die sich – ebenfalls aus Westerburg stammend – ab 1709 in Grünstadt ansiedelten. Ihm wird das Deckengemälde „Orpheus in der Unterwelt“, im Südflügel des Leininger Oberhofs zugeschrieben.
 
Dem Ehepaar wurde, laut lutherischem Kirchenbuch, am 4. September 1719 in Grünstadt, der Sohn Johann Conrad geboren, der einmal eine der berühmtesten Persönlichkeiten  unserer Stadt werden sollte. Wie schon der Vater malte auch Johann Conrads älterer Bruder Johann Ludwig Seekatz (1711–1783) und lernte ihn in dieser Kunst an.  Beide übernahmen 1747 einen Auftrag zur Dekoration der Orgelempore in der Bergkirche Osthofen, den sie gemeinsam ausführten. Hier schon zeigte sich das große Talent des Jüngeren. Er schuf in Osthofen seine ersten Bilder eigener Stilrichtung, die jene des Vaters und des älteren Bruders deutlich übertrafen. Letzterer betätigte sich dann in Osthofen weitestgehend auch nur noch als Dekorationsmaler. Bald schon trennten sich ihre Wege und der wesentlich begabtere Johann Conrad entwickelte sich zu einem bedeutenden süddeutschen Künstler der Barockzeit, während Johann Ludwig zeitlebens dem mehr handwerklich-ländlichen Stil verhaftet blieb. 
 
1748 bis 1752 bildete sich Johann Conrad Seekatz bei dem kurpfälzischen Hofmaler Philipp Hieronymus Brinckmann in Mannheim fort, bevor ihn Landgraf Ludwig VIII. als Hofmaler nach Darmstadt berief. Für diesen malte er hauptsächlich Historiengemälde, Porträts und Tierstücke, zur Ausstattung seiner diversen Schlösser. Für den freien Verkauf und den florierenden Kunsthandel während der Frankfurter Messen schuf er, dem Publikumsgeschmack folgend, ländliche Szenen und Genrebilder nach niederländischer Art, später auch religiöse Motive. Ab 1765 führte Seekatz für Schloß Braunshardt in Weiterstadt, Residenz des Prinzen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt (Bruder des Landgrafen), 17 Supraporten aus, die als Höhepunkt seines Schaffens gelten. Marie Luise Albertine, die Gattin des Prinzen, stammte aus dem pfälzischen Heidesheim  und war eine geborene Gräfin von Leiningen. Johann Conrad Seekatz unterhielt eine Freundschaft mit Rat Johann Caspar Goethe in Frankfurt und unterrichtete dessen Sohn, den späteren Dichter Johann Wolfgang von Goethe, im Zeichnen. Im National-Museum Weimar gibt es aus dieser Periode das Seekatzgemälde „Familie Johann Caspar Goethe im Schäferkostüm“. François de Théas Comte de Thoranc, seit 1759 französischer Statthalter des besetzten Frankfurt und Hausgast bei der Familie Goethe, beauftragte den Künstler mit 12 großformatigen Sternzeichen-Monatsbildern im Stil des Rokoko, für sein Heimatdomizil in Grasse/Provence. Sie befinden sich heute im Frankfurter Goethehaus und werden neuerdings, im verkleinerten Druck, als stilvolle Lesezeichen angeboten. 
 
Mit gerade 49 Jahren starb Johann Conrad Seekatz am  25. August 1768 in Darmstadt. Seine Werke werden international geschätzt und sind in zahlreichen Museen vertreten. Schon kontemporär waren sie so beliebt, dass der Grafiker Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738–1819) die Witwe Seekatz gegen Bezahlung bat, dessen nachgelassene Werke zum Druck kopieren zu dürfen. Der zeitgenössische Kupferstecher und Kunstsachverständige Johann Georg Wille (1715–1809) beurteilte den Stil von Johann Conrad Seekatz mit den Worten: „Hier ist Feuer und Geist“.

 

Das Museum im Alten Rathaus Grünstadt besitzt in seiner Dauerausstellung fünf Originalgemälde des Künstlers und zwei Drucke nach seinen Bildern, von Johann Ludwig Ernst Morgenstern. Zum 300. Geburtstag von Johann Conrad Seekatz ist 2019 eine Sonderveranstaltung des Altertumsvereins Grünstadt geplant. 
 
 
 
Zu den in unserem Museum ausgestellten Seekatz-Bildern hat unser Mitglied Dr. Ulrich Karl, als Einstimmung für den Besucher, nachfolgende Rezeption verfasst: 
 

Die im Museum in Grünstadt ausgestellten Bilder sind Beispiele der beiden wichtigsten Malereigattungen bei Seekatz: religiöse Themen und Genremalerei, also die Darstellung von „fahrendem Volk“, Bauern- und Gesellschaftsszenen, Jahrmärkten, Kindern, Jägern und Soldaten. Der äußerst vielseitige Maler Seekatz hinterlässt auch Gemälde mit mythologi-schen oder allegorischen Themen, Porträts, Tierdarstellungen sowie Landschaftsmalerei; Stillleben (auf die andere barocke Maler sich spezialisiert haben) sind selten.

 

Die beiden Gemälde mit biblischen Themen schuf Seekatz um 1755; sie stehen damit noch recht früh am Beginn seiner Laufbahn als ausgebildeter Maler, erinnern noch an seinen eher handwerklichen Beginn, als er Kirchen- und Dekorationsmalereien ausführte. Diese Gemälde wurden aus einer größeren Entfernung und von einem tieferen Standpunkt als Staffelei-gemälde betrachtet und wiesen daher weniger Details auf. Da Seekatz keiner wohlhabenden Familie entstammt, war ihm die traditionelle Bildungsreise bzw. Ausbildung in die Zentren der französischen, italienischen oder niederländisch-flämischen Malerei, also beispielsweise Paris, Rom, Florenz, Venedig etc., verwehrt. Erst im damals relativ „reifen Alter“ für einen Maler, mit 29 Jahren, begann er 1748 eine akademische Ausbildung beim Mannheimer Hofmaler Philipp Hieronymus Brinckmann (1709–61), während der er auch die gut ausgestattete kurfürstliche Gemälde- und Kupferstichsammlung studieren konnte. So lernte er die Werke maßgebender Meister kennen.

 

Beide kleinformatigen Gemälde mit religiösen Motiven sind wie andere frühe Werke von Seekatz sehr dunkel gehalten – wohl ein Bezug auf den Stil alter, vor allem niederländischer Meister (auch die später erwähnten Lichteffekte werden auf diese Vorbilder bezogen) – und von gedämpfter Farbigkeit. Bei der Auferstehung Christi sind die beteiligten Personen recht statisch platziert, die die Grabplatte wegschiebenden Engel sind wie in der Bewegung erstarrt. Nur im Gesicht des Wächters ist sein Erschrecken plastisch wiedergegeben.

 

Etwas dramatischer komponierte Seekatz sein Werk Grablegung Jesu: Links etwas im Hintergrund ist die schmerzerfüllte Maria abgebildet, gestützt und getröstet von Maria Magdalena. Im Zentrum des Bildes wird gerade Jesus von mehreren Männern ins Grab getragen. Seekatz setzt drastische Hell-Dunkel-Kontraste ein, um Christus als Lichtgestalt hervorzuheben. Nur die untere Hälfte seines Körpers und die Unterarme sind hell beschienen, fast weiß, während sein Oberkörper dunkler dargestellt ist, wohl weil er im Schatten des Mannes bleibt, der zu seiner Linken sich beim Tragen vorbeugt. Das Licht kommt also von oben, von außerhalb des Bildausschnitts und soll wohl die Auferstehung Christi ankündigen.

 

Sein berufliches wie privates Leben spielte sich in dem relativ kleinen Gebiet zwischen Grünstadt, Mannheim, Darmstadt und Frankfurt ab. Er wurde erst 1753, also mit 34 Jahren, Hofmaler in Darmstadt. Obwohl er für den dortigen Hof und in Frankfurt für großbürgerliche Familien arbeitete (z.B. für den Vater von Johann Wolfgang v. Goethe), war er offensichtlich nicht „abgehoben“, sondern mit den Lebensumständen der einfachen Leute wohl vertraut. So verwundert nicht, dass seine Genremalerei für unser Gebiet für die damalige Zeit typische Szenen in realistischer, aber freundlicher Weise abbildet. In dieser Malgattung fand er auch seinen eigenständigen Stil, sie ist der Kern seines Werks. Seine Genregemälde zeigen „fahrendes Volk“, Bauern- und Gesellschaftsszenen, Jahrmärkte, Kinder, Jäger und Soldaten.

 

Im Museum Grünstadt sehen wir die Wirtshausszene, deren Protagonisten (für Seekatz untypisch) einen eher betrübten Eindruck machen. Vielleicht trägt der Geiger gerade eine traurige Weise vor, der der sitzende Zuhörer lauscht. Der barfüßig stehende Mann in zerrissener Kleidung schaut in seinen Maßkrug und muss wohl zu seiner Enttäuschung erkennen, dass er leer ist... Nur der schwänzelnde, um Aufmerksamkeit bettelnde Hund trägt etwas Heiteres zur Szene bei.

 

Das Gemälde Karten spielende Kinder ist lebhafter angelegt: ein Junge spielt gerade ein Blatt aus, der andere durchsucht angespannt seine Karten...

 

Das Porträt des kleinen Mädchens (nicht betitelt) ist von der Komposition her das lebhafteste der ausgestellten Bilder. Das blonde Mädchen spielt kokett mit seinem Schleier und scheint den Betrachter direkt und herausfordernd anzuschauen. Das rote Kleid des Mädchens mit türkisfarbenem Ärmel und Spitzenbündchen ist fast „zu fein“ für die sonst typischen Personen seiner Genrebilder, eher bürgerlich, sicher nicht höfisch. Zu letzterem würde auch die verspielte Haltung des Kindes nicht passen. Dass Seekatz den Schleier so virtuos im vielfachen Faltenwurf malen konnte, zeigt seine Meisterschaft der Lasurmalerei.

 

Die Bilder sind viel lichter gehalten als bei den biblischen Themen, die Farbgebung ist intensiver, abwechslungsreicher und freundlicher im Farbton.

 

Seekatz improvisierte gern, der Bildaufbau war nicht „durchkomponiert“, die Gemälde wurden häufig nicht bis ins Detail ausgearbeitet. Seine Bilder sind eher kleinformatig, wurden schnell gemalt. Es existieren Paare oder mehrere Varianten von Bildern sehr ähnlicher Motive, die unterschiedlich sorgfältig ausgearbeitet sind, wohl der Kaufkraft seiner Kunden entsprechend. Auch bei den Bildern im Museum erkennt man, dass die Hintergründe und die oberen Bereiche des Bildausschnitts nicht sehr detailliert ausgearbeitet sind. 

 

Obwohl Seekatzens Hauptschaffenszeit im Spätbarock liegt, kommt in seinen Genreszenen vom Sujet her zwangsläufig kein spätbarocker Überschwang, keine Prachtentfaltung zum Zuge. Wohl aber lassen die meisten dargestellten Figuren Lebensfreude und ländliche Unbefangenheit erkennen – vielleicht schon eine Idealisierung des oft harten Lebens der einfachen Leute in dieser Zeit.

 

Des weiteren zeigt das Museum zwei Druckgraphiken nach Seekatz-Werken von Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738–1819), der 1771-72 nach Seekatzens frühem Tod mit Zustimmung der Witwe Reproduktionen von Werken aus dem Nachlass anfertigte. Hoch-wertige Kopien von Originalwerken wurden bis weit ins 19. Jh. gerne zu Studienzwecken angefertigt, vor allem aber dienten sie der preisgünstigen Verbreitung des Werks eines Künstlers, dessen Originale sich nur Begüterte leisten konnten. Die beiden Drucke stellen Entwürfe für Seekatzens Gemälde Haman und Esther bzw. Salomons Urteil dar. Beide Entwürfe entsprechen mit ihren dynamisch-bewegten Menschengruppen und der sich dramatisch überwölbenden antikisierenden Architektur eher unserer Vorstellung spätbarocker Gemälde.