Neuerwerbungen

Neuerwerbungen des Museums

 

Auf dieser Seite sollen interessante Neuerwerbungen unseres Museums vorgestellt werden.

 

Im Juli 2018 konnten wir über 20 interessante Bauzeichnungen des ehemaligen Grünstadter Zimmerermeisters Philipp Scheffel für das Museum sichern.

Scheffel besuchte 1907/1908 die renommierte Königliche Kreis-Baugewerkschule Kaiserlautern (heutige Pfalzgalerie) und fertigte dort im Unterricht sehr schöne, teils kolorierte Zeichnungen an, die wir nun als ein Stück Grünstadter Historie im Museum aufbewahren.

 

Näheres zur Königlichen Kreis-Baugewerkschule Kaiserslautern ist hier nachzulesen (einfach anklicken):

https://de.wikipedia.org/wiki/Baugewerkschule_Kaiserslautern

 

Ornamentzeichnung des Grünstadters Philipp Scheffel, gefertigt in der Kgl. Kreis-Baugewerkschule Kaiserslautern (jetzt im Museumsbestand)

 

Zeichnung für ein Grünstadter Bauprojekt, gefertigt von Philipp Scheffel an der Kgl. Kreis-Baugewerkschule Kaiserslautern, 1907 (jetzt im Museumsbestand)  

 

Im März 2018 konnten wir aus Privatbesitz eine gerahmte Original-Zeichnung mit Ansicht von Grünstadt erwerben, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach als gedruckte Lithographie verbreitet war und vom Verlag S. Bühler in Mannheim vertrieben wurde.

 

 

Die neu erworbene Originalzeichnung (wegen des spiegelnden Glases leider mit einigen Reflexionen)

Das Bild trägt unten rechts den Künstlervermerk: Nach der Natur gezeichnet v. L.Braun

Die Datierung ist wegen dem erst 1854 erhöhten Nordflügel des Leininger Unterhofes (rechts von der Martinskirche zu sehen) eindeutig in die Zeit danach einzuordnen. In heimatgeschichtlichen Büchern über Grünstadt wurde diese Darstellung bisher immer um 10 Jahre älter geschätzt.

   

Signatur der Zeichnung: L. Braun

Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei unserer Neuerwerbung um ein signiertes Frühwerk des später sehr berühmten Malers Louis Braun (* 23.9.1836 in Schwäbisch-Hall, † 18.2.1916 in München). Er verlor früh seine Eltern und wuchs unter der Obhut seines wenig bekannten Malerbruders Reinhold Braun, in ärmlichen Verhältnissen auf. Ab 1857 lernte er an der Kunstschule Stuttgart und ging 1859, zur Ausbildung bei dem Maler Horace Vernet, nach Paris. Die vermutlich als Auftragsarbeit des Mannheimer Verlags geschaffene Grünstadter Zeichnung dürfte aus dieser frühen Schaffensperiode stammen und diente wohl zur Finanzierung der Ausbildung. 

 

Louis Braun (1836-1916) 

1869 ließ sich Louis Braun dauerhaft in München nieder. Er malte bzw. zeichnete zunächst Landschaften und bayerische Genreszenen, spezialisierte sich durch den deutsch-französischen Krieg 1870/71 aber mehr und mehr auf die Militärmalerei. Eines seiner berühmtesten Großbilder Parade vor dem Prinzregenten auf dem Oberwiesenfeld hängt heute im Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt.

 

Prinzregent Luitpold besucht den Maler Louis Braun, 1896 in seinem Atelier, bei Fertigung des Großgemäldes Parade auf dem Oberwiesenfeld

Seit 1889 unterrichtete Louis Braun als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Schließlich wandte er sich der gerade in Mode gekommenen Kunstform der monumentalen Panoramabilder zu, die seit Einführung der Lichtspielhäuser völlig verschwunden ist. In kreisrunden Gebäuden wurden Monumentalgemälde auf der umlaufenden Wand angebracht, die quasi keinen Anfang und kein Ende besaßen. Oft hatten diese Bilder riesige Dimensionen von über 100 Metern Länge und 10-20 Metern Höhe, was gigantische und fast lebensnahe Eindrücke hervorrief. Die Ausstellungs-Rotunden waren meist ca. 15-20 m hoch und hatten einen Durchmesser von etwa 30-35 m. Innen erreichten die Besucher durch einen schmalen Gang eine in der Mitte des Raumes stehende Plattform. Ohne künstliche Beleuchtung wurde das Bild von der gläsernen Decke her beleuchtet. Vorbeiziehende Wolken oder sonstige Witterungsverhältnisse konnten daher die Erscheinung des Kunstwerkes stark verändern bzw. beleben. Den Bereich zwischen Plattform und Gemälde füllten zumeist thematisch passende Gegenstände (Waffen, Tierpräparate, Pflanzen, Uniformgegenstände etc.) aus, um den Übergang vom zweidimensionalen Bild zum dreidimensionalen Raum unauffällig zu gestalten. Die Trennung von Bild und Raum sollte möglichst aufgehoben sein, um die Illusion von Realität zu erzeugen. Die Betrachter waren dem Gemälde von allen Seiten ausgesetzt und in das Geschehen förmlich mit einbezogen.

 

Panoramarotunde für Louis Brauns Monumentalgemälde in Leipzig

 

Braun malte 1879/80 für Frankfurt am Main das Panoramabild „Die Schlacht von Sedan“. Es war 122 Meter lang und 15 Meter hoch. Gleichartige Kunstwerke – immer mit dem Bau einer zugehörigen, runden Ausstellungshalle verbunden – fertigte er 1882 für München, 1883 für Dresden und 1884 für Leipzig. Der Erfolg dieser Bilder war – auch in finanzieller Hinsicht – so gewaltig, dass sich Louis Braun fortan fast ausschließlich diesem Metier widmete. Er ließ in jener Zeit für seine Panoramabilder auf der Münchner Theresienhöhe ein Atelier in Form und Größe einer Ausstellungsrotunde erbauen und beschäftigte einen ganzen Stab von Kunstmalern und Hilfskräften, die ihm zuarbeiteten. Allein die Leinwand für ein solches Kunstwerk wog schon mehrere Tonnen. Für die Panoramen suchte der Künstler die Originalschauplätze auf und informierte sich, wie ein moderner Berichterstatter, bei den Augenzeugen. Seine Schöpfungen waren gemalte Bildreportagen, die ein Höchstmaß an Authentizität in der Darstellung boten. Durch die fortschreitende Filmtechnik nahm das Interesse an den Panoramabildern schließlich rapide ab. Brauns Atelierrotunde in München brannte 1915 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Von seinen vielen Panoramabildern ist aktuell keines mehr zugänglich, die meisten sind komplett zerstört oder verschollen.

 

Louis Braun bei der Arbeit, 1900

 

Louis Braun war einer der berühmtesten und außergewöhnlichsten Münchner Maler seiner Zeitepoche und unser Museum ist stolz darauf, nunmehr ein Original von seiner Hand zu besitzen, das unsere Stadt abbildet.